Die Quagga-Muscheln in unseren Seen

Die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis) stammt ursprünglich aus dem Bereich der Zuflüsse zum Schwarzen Meer (z. B. Dnepr-Bug-Liman). Über sogenannte Byssusfäden kann sich die Muschel auf festem Untergrund, wie Steinen, Holz, Einbauten, aber auch Tieren festheften.

Die Verbreitung der Muschel erfolgte vermutlich über die Schifffahrt. So wurden die ersten Muscheln in Frachtschiffhäfen entlang größerer Flüsse in Deutschland, aber auch in den Niederlanden, dokumentiert. Dabei erfolgt eine Anheftung der Muscheln an den Schiffen. Die so verbreiteten Muscheln können dann wiederum in anderen Gebieten ablaichen. Daher ist es zwingend erforderlich Boote und Bootszubehör wie Anker, aber auch Angel- und Tauchausrüstungen und Fischernetze zu reinigen, bevor sie in ein anderes Gewässer gelangen.

Der erste Fund der Quagga-Muschel in Deutschland erfolgte im Mai 2007 im Main. Daraufhin wurde sie in mehreren Häfen des Oberrheins beobachtet. Mittlerweile findet man die Quagga-Muschel unter anderem im Rhein, Main, Neckar, aber auch im Bodensee sowie in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die Quagga-Muschel bevorzugt stehende Gewässer. Dies deckt sich damit, dass im Main vor allem Hafenbereiche besiedelt wurden. Das Vorkommen der Muschel im Verlauf eines Flusses liegt voraussichtlich an dem Verdriften von Larven durch Strömung.

Typisch für die Quagga- und die Zebra-Muschel ist die Ausbildung von Byssus-Fäden zur Anheftung auf festem Untergrund. Dies verschafft ihnen einen ökologischen Vorteil gegenüber heimischen Muscheln und ermöglicht ihnen die Besiedlung neuer Lebensräume. Der Quagga- Muschel gelingt es auch, Weichsubstrate zu besiedeln. Aufgrund der Byssus-Fäden kann es zudem zu einer Klumpenbildung bzw. Aggregation zwischen mehreren Muscheln kommen. Aber auch ein Festhaften auf anderen Muscheln oder auf Krebsen, Schnecken und Unterwasserpflanzen ist möglich.

Die Quagga-Muschel gehört, wie auch die Zebra-Muschel zur Gattung Dreissena. Beide Arten sind sich in Aussehen und Lebensweise sehr ähnlich. Die Quagga-Muschel ist jedoch in deutlich größeren Tiefen lebensfähig. Im Bodensee bilden vor allem die Zebra-Muscheln eine Lebensgemeinschaft zusammen mit Süßwasserschwämmen. So erfolgt zunächst eine Besiedlung der Steilwand durch die Muscheln und anschließend eine Besiedlung durch Schwämme.

Bei der Vermehrung der Quagga-Muschel werden Eizellen und Spermien in das Wasser abgegeben und es kommt zur Befruchtung. Die Wahrscheinlichkeit dazu wird durch eine sehr große Menge an Spermien und Eizellen erhöht. Schließlich bildet sich eine freischwimmende, sogenannte Veliger-Larve. Diese setzt sich im Laufe der Entwicklung fest und wird zur sessilen, adulten Muschel. So kann man sogar kleine Muscheln auf bereits größeren entdecken.

Als Nahrung dient der Quagga-Muschel Plankton aus dem Wasser. Sie gehört zu den Filtrierern und besitzt eine Ein- und eine Ausströmöffnung (Siphonen). Die Filtrierleistung hat deutliche Auswirkungen auf die Trübung eines Gewässers und dessen Nährstoffgehaltes.

Die Quagga-Muschel, wie auch die Zebra-Muschel, erreichen eine sehr hohe Bestandsdichte. Dies führt dazu, dass sie mit heimischen Lebewesen um Lebensraum, aber auch um Nahrung konkurrieren. Vor allem in Nordamerika, wo sich die Quagga-Muschel und die Zebra-Muschel ebenfalls rasant verbreitet haben, erzeugen diese einen großen wirtschaftlichen Schaden, durch ihre Fähigkeit sich überall mit Byssus-Fäden festzusetzen. So besiedeln sie Boote, technische Einbauten oder auch Wasserleitungen, welche dadurch in ihrer Funktion eingeschränkt werden. Dies bedarf aufwendiger Reinigungsmethoden. Um die Funktion der Einbauten aufrecht zu erhalten müssen diese in regelmäßigen Abständen durch Taucher von den Muscheln befreit werden. Dazu werden die Muscheln vom Untergrund abgekratzt. Boote, die in ein anderes Gewässer gebracht werden sollen, müssen in Nordamerika gründlich von den Muscheln gereinigt und getrocknet werden, um eine Ausbreitung der Muscheln zu verhindern.

Um ein besseres Verständnis für die Ökologie der Quagga-Muschel, aber auch über mögliche wirtschaftliche oder ökologische Folgen durch die Quagga-Muschel besser abschätzen zu können, wird sie in Monitoring Programmen untersucht und ihre Ausbreitung und Bestandsentwicklung dokumentiert. Dabei werden vor allem die Verbreitung und auch das Verhältnis zwischen jüngeren und älteren Muscheln und das Verhältnis zwischen Quagga-Muschel und Zebra-Muschel erfasst. Zudem wird die Vermehrungsstrategie genauer untersucht. In einem Citizen-Science-Projekt des Württembergischen Landesverbandes für Tauchsport (WLT) und der Wissenschaftlichen Tauchgruppe der Universität Stuttgart (WiTUS), unterstützt durch aquatil, können sich Sporttaucher am Monitoring beteiligen.

Im Rahmen der Reihe „…-Wissen“ ist das Booklet „Quagga-Wissen“ erschienen. Diese Booklets beinhalten die wichtigsten Informationen zur Biologie, Vorkommen und Ausbreitung der invasiven Quagga-Muschel. Das eBooklet kann online angeschaut und als PDF kostenlos heruntergeladen werden.